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Modellierungstools rationalisieren die Planung logistischer Dienstleistungen in Zulieferunternehmen

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Durch den wachsenden Bedarf von OEM nach kundenindividuellen Systemlösungen nehmen Breite und Tiefe logistischer Dienstleistungen bei Zulieferunternehmen, den sogenannten Logistikdienstleistern (LDL), ständig zu. Gleichzeitig steigen für logistische Dienstleistungen die Anforderungen, bezogen auf die Qualität und Prozesssicherheit, bei tendenziell sinkenden Kosten beziehungsweise sinkenden Preisen.

Problemstellung
Der Planungsaufwand für diese komplexen kundenindividuellen logistischen Leistungen ist oft beträchtlich hoch, da eine IT-seitige Unterstützung der Planungsarbeit, wenn überhaupt, sehr häufig nur punktuell erfolgt. Dieses Problem wird in der Regel durch relativ geringe Standardisierung logistischer Dienstleistungen verschärft. Planung, Steuerung und Durchführung logistischer Dienstleistungen erfordert mehr und mehr den Einsatz von Tools, um die Arbeit der Prozessplaner bei LDL wirkungsvoll zu unterstützen.

Anforderungen an Methoden und Tools zur Prozessmodellierung
In Auswertung der Literatur und im Ergebnis eigener Untersuchungen konnten für Modellierungs- und Standardisierungsmethoden logistischer Dienstleistungen folgende Hauptkriterien identifiziert werden, die Anforderungen repräsentieren und somit für die Bewertung der methodischen Ansätze geeignet erscheinen:

  • Transparenz von Material- und Informationsflüssen
  • Material- und Informationsflüsse sollten in Bezug auf Ablauf, Zeit, Kosten und Schnittstellen übersichtlich und anschaulich abgebildet werden können.

  • Zuordenbarkeit von Ressourcen
  • Die in Prozessen eingesetzten Ressourcen Technik, Personal, Flächen und Räume sollten eindeutig abgrenzbar sein. Das gilt auch für Prozessverantwortlichkeiten in Durchführung der logistischen Prozesse.

  • Handhabbarkeit der Methode
  • Prozessplaner sollten durch Methoden und ihnen zugeordnete Tools unterstützt werden, deren Symbolik standardisiert und in einem beherrschbaren Umfang gestaltet ist. Des Weiteren sollte der Detaillierungsgrad der Prozesse wählbar, der Modellierungsaufwand sollte anwenderfreundlich sein.

  • Kosten
  • Preise für Lizenzgebühren und Personalschulungen am Markt beschaffbarer Tools sollten sich prinzipiell am Nutzen für LDL orientieren. Bei der Gestaltung entsprechender Angebote sollten auch die finanziellen Möglichkeiten kleiner mittelständischer Unternehmen (KMU) stärker Beachtung finden.
Am Markt angebotene Modellierungstools
Am Markt wird eine Vielzahl von Modellierungsmethoden angeboten, die v. g. Anforderungen in unterschiedlichen Ausprägungen erfüllen. Dabei werden in der Praxis folgende Instrumente am häufigsten eingesetzt:

  • eEPK: Erweiterte Ereignisgesteuerte Prozesskette
  • BPMN 2.0: Business Process Modeling Notation
  • Swimlane-Diagramm
  • UML 2.1: Unified Modeling Language Aktivitätendiagramm
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    Swimlane-Diagramme zeichnen sich, neben vergleichbaren Vorzügen mit BPMN hinsichtlich der Darstellung von Verantwortlichkeiten, durch einfache Notation der Aktivitäten, des Kontrollflusses und der Verzweigungen aus. Bei komplexen Prozessmodellierungen gelangen diese Diagramme jedoch an Einsatzgrenzen.

    UML-Aktivitätendiagramme eignen sich insbesondere für objektorientierte Prozessmodellierungen. Ihre Verwendung kann einerseits Programmierungszeit sparen, andererseits erfordert der Einsatz dieser Diagramme spezielle anwendungsbereite IT-Kenntnisse, die bei betriebswirtschaftlich orientierten Fachkräften in Zulieferunternehmen häufig nicht vorliegen.

    Die Marktpreise für Tools, die die oben genannten Methoden unterstützen, liegen bei Mehrplatzlizenzen – ohne Kosten für Updates – etwa zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Zusätzlich müssen Qualifizierungsaufwendungen zur Anwendung dieser Softwareprodukte in Unternehmen eingeplant werden. Je nach Vorkenntnissen der betrieblichen Fachkräfte können diese Kosten etwa zwischen 2.000 und 6.000 Euro liegen. Für KMU bildet dieses Kostenniveau häufig eine finanzielle Hürde.

    Entwicklungsbedarf
    In Auswertung und unter Verwendung des gegenwärtigen Erkenntnisstandes der Entwicklung und Anwendung von Modellierungstools sehen die Autoren Entwicklungsbe - darf. Die Zielstellung besteht darin, für die Planung und Bewertung logistischer Dienstleistungen ein Werkzeug zu entwickeln, das es ermöglicht, logistische Prozesse ablauforganisatorisch, zeitlich, kostenmäßig und verantwortungsbezogen übersichtlich abzubilden. In den Modellierungsprozess sollen auch Prozess-Standardisierungsaspekte einflie- ßen. Das Planungstool soll, begrenzt auf wesentliche Funktionen, für den betrieblichen Prozessplaner in KMU einfach handhabbar sein und im Low-Cost-Bereich liegen.

    Zur Realisierung der Entwicklungsziele wird, gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und in Kooperation mit der Sächsischen Aufbaubank, ein entsprechendes Verbundprojekt mit den Projektbeteiligten Westsächsische Hochschule Zwickau, Institut für Betriebswirtschaft, sowie den KMU fabrik-ID GmbH Chemnitz und LOGSOL GmbH Dresden durchgeführt.


    Von Prof. Dr. Matthias Schwarz, Dipl.-Wirtsch.-ing. Daniel Kaun, Westsächsische Hochschule Zwickau, Dr. Peggy Näser, Dipl.-Wirtsch.-ing. Katrin Pilz, fabrik-ID GmbH
     

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